Unterstützung für digitale Unterrichtsprojekte

21.11.2019 - Mitteilung

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Ideen für digitale Projekte in den Schulen gibt es viele, um sie zu realisieren, braucht es jedoch Ressourcen. Deshalb hat die Leitung von HSGYM zusammen mit der Bildungsdirektion einen Innovationsfonds ins Leben gerufen.

Text: Jacqueline Olivier   Foto: Sophie Stieger

Die zündenden Ideen fallen einem oft nicht am Schreibtisch im stillen Kämmerlein zu, sondern entstehen in angeregten Diskussionsrunden. So geschehen mit dem jüngsten Projekt von HSGYM – dem Innovationsfonds. HSGYM ist die gemeinsame Dialogplattform von Gymnasien und Hochschulen, geleitet wird sie seit Februar 2018 von Martin Andermatt, Rektor der Kantonsschule Wiedikon (KWI). Kurz vor seinem Amtsantritt nahm er bereits an der Retraite der HSGYM-Leitung teil. Diskutiert wurde unter anderem über die Digitalisierung. «Unser gemeinsames Fazit lautete, dass in den Schulen wohl viele Ideen kursieren, der Anfangsaufwand für eine Umsetzung aber oft sehr hoch und im täglichen Betrieb von einzelnen Lehrpersonen kaum zu leisten ist», erzählt Martin Andermatt. Am Forum Bildung 2017 – dieses stand ganz im Zeichen der Digitalisierung – hatte er das digitale Literatur-Projekt «Schweizer Buchjahr» der Uni Zürich kennengelernt und war beeindruckt. Auch da erkannte er: «So etwas zu realisieren, erfordert viel Zeit und Energie.»

Vom eigenen Erfolg überrascht

Wie also könnte man Lehrpersonen mit ähnlichen Ambitionen unterstützen, damit aus spannenden Ideen gewinnbringende Projekte werden? Die Antwort der HSGYM-Leitung: mit einem Fonds, über den Entlastungen für Lehrpersonen oder Teams berappt werden, die digitale Unterrichtsprojekte auf die Beine stellen möchten. Eine erste informelle Anfrage bei der Bildungsdirektion stiess auf offene Ohren, der Fonds war rasch eingerichtet und Martin Andermatt und seine Mitstreiter stellten das Vorhaben in der Schulleiterkonferenz (SLK) und an der HSGYM ¬ Herbsttagung 2018 vor. Das Resultat: «Wir wurden überflutet von Projektskizzen.» Diese Reaktion war für die HSGYM-Leitung einerseits eine Bestätigung ihrer Annahme, dass in vielen Köpfen schon Vorhaben schlummerten, andererseits eine Herausforderung, denn nun galt es, rasch zur Tat zu schreiten und die Projekte auszuwählen, die in einer ersten Runde gefördert werden sollten.

Und so funktioniert es: Der Innovationsfonds wurde von der Bildungsdirektion vorerst auf drei Jahre angelegt und mit 750 000 Franken geäufnet. Dies entspricht laut Martin Andermatt den Kosten von rund 100 Jahresstunden. Pro Jahr können also Entlastungen von rund 30 Jahresstunden gesprochen werden. Die Vergabe erfolgt über einen mehrstufigen Prozess. Interessentinnen und Interessenten reichen zunächst eine Grobskizze ein. Ein Gremium bestehend aus einer SLK-Vertretung, der HSGYM-Leitung und Impuls Mittelschule prüft im Rahmen der Vorselektion die Skizzen auf ihre Qualität und Machbarkeit sowie darauf, ob sie dem Ziel des Innovationsfonds entsprechen. Bei Bedarf können Antragsteller an die «Learning Centers» verwiesen werden, die an der ETH, der Uni und der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) eingerichtet wurden. Dort werden sie im Hinblick auf Verbesserungen an ihrem Entwurf beraten. Nach entsprechender Überarbeitung erfolgt die Projekteingabe. Für die Auswahl ist eine sechsköpfige Jury verantwortlich, in der Vertreterinnen und Vertreter der SLK, der Hochschulen, der Fachdidaktik, der Hochschulstudentinnen und -studenten sowie der Leitung des Digital Learning Hubs Sek II mitwirken. Über diese Drehscheibe und Vernetzungsplattform für digitale Projekte (siehe Kasten) sollen die Projekte schliesslich allen Akteuren der Sekundarstufe II – also auch jenen der Berufsfachschulen – zur Verfügung gestellt werden. 

Möglichst breite Anwendung

Damit ein Projekt zur Förderung auserkoren wird, muss es einige zentrale Kriterien erfüllen. Aber nicht zu viele, erklärt Martin Andermatt, weil dies den Innovationsgeist ersticken würde. Nachhaltigkeit ist aber auf jeden Fall ein wichtiger Punkt. «Die Projekte müssen das Potenzial haben, auch in einigen Jahren noch genutzt werden zu können.» Auch auf das Innovationspotenzial wird geachtet: Ein Projekt muss den Unterricht sinnvoll erweitern oder auf neue Weise gestalten – oder beides. Ausserdem sollen die Projekte möglichst breit angewandt werden können. Und im Projektbeschrieb muss klar dargelegt werden, was wie gelernt wird und wie die gesteckten Ziele erreicht werden sollen. Das Geld wird nach Aufwand vergeben. Die Verantwortlichen wiederum achten bei ihrer Auswahl darauf, dass Projekte verschiedener Personen, Fachbereiche und Schulen gefördert werden.

Im Rahmen der ersten Tranche wurde diese Devise auf jeden Fall beherzigt, denn die sieben Projekte, die den Zuschlag erhielten, decken ebenso alte wie neue (Fremd)sprachen oder verschiedene Fächer der Naturwissenschaften ab. Und wer es jetzt noch nicht bis zum Fördertopf geschafft hat, bekommt im nächsten Auswahlverfahren, das Mitte September dieses Jahres angelaufen ist und bis April 2020 dauert, erneut eine Chance. Martin Andermatt bestätigt, dass für die zweite Runde bedeutend weniger neue Projektskizzen eingegangen und viele der im ersten Durchgang zurückgestellten bereits wieder im Rennen seien.

Wie sich das Ganze weiterentwickelt und ob der Boom anhält – da wagt der Leiter von HSGYM keine Prognose. «Der Innovationsfonds ist selbst ein Innovations-projekt», sagt er, «die Finanzierung ist für drei Jahre gesichert, aber natürlich möchten wir danach weitermachen.» Mithilfe des Fonds wolle man ja nicht nur jene Projekte fördern, die jemand schon in petto habe, sondern auch neue anregen. Zudem eröffne die digitale Entwicklung laufend weitere Anwendungsmöglichkeiten für den Unterricht. projekt», sagt er, «die Finanzierung ist für drei Jahre gesichert, aber natürlich möchten wir danach weitermachen.» Mithilfe des Fonds wolle man ja nicht nur jene Projekte fördern, die jemand schon in petto habe, sondern auch neue anregen. Zudem eröffne die digitale Entwicklung laufend weitere Anwendungsmöglichkeiten für den Unterricht. 

Vernetzung immer wichtiger

Der Umgang mit der Digitalisierung, weiss der Rektor der KWI, ist an den Schulen sehr unterschiedlich. Die einen führten Pilotprojekte, in deren Rahmen einzelne Klassen fast ausschliesslich mit Laptops arbeiteten, andere hätten das Arbeiten mit elektronischen Hilfsmitteln gleich flächendeckend eingeführt. Wichtig ist ihm, zu betonen, dass Innovation – unabhängig vom Digitalisierungsgrad – nur möglich sei, wenn man auch ein allfälliges Scheitern zulasse und eine Kultur entwickle, die es ermögliche, aus Fehlern zu lernen und nachzubessern. «Wir sind lediglich die Geburtshelfer und Begleiter bis zur Adoleszenz, mehr können wir nicht leisten. » Mit anderen Worten: Wenn es um den Anlass geht, an dem die Jury die zu fördernden Projekte auswählt, fungiert die HSGYM-Leitung nur noch als Organisatorin. Eine umso bedeutendere Rolle wird der Digital Learning Hub spielen, wobei sich dieser momentan noch im Aufbau befindet. Klar ist für Martin Andermatt jedoch schon heute: «Es braucht eine Organisation und ein System, um solche Projekte zu sammeln, zu begleiten und breiter nutzbar zu machen, damit die Ar-beit von Einzelnen für viele hilfreich sein kann.» Es sei in Zeiten der Digitalisierung schlicht nicht mehr sinnvoll, dass jeder nur sein eigenes Ding mache. «Vernetzung und Zusammenarbeit sind wichtiger denn je.»

           
   

Der Digital Learning Hub Sek II

Das Projekt Digital Learning Hub Sek II (DLH) basiert auf einem Regierungsratsbeschluss zur Strategie «Digitaler Wandel an kantonalen Schulen der Sekundarstufe II». Geleitet wird es von André Dinter, Prorektor der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene (KME), und von Christian Flury, zuständig für Digital Learning an der EB Zürich. Der DLH funktioniert als Drehscheibe, über die Lehrpersonen der Sekundarstufe II miteinander vernetzt werden. Dabei werden digitale Unterrichtsprojekte an Mittel- und an Berufsfachschulen vorgestellt sowie Hilfestellungen und Beratung – etwa bei der Adaptierung eines Projekts für den eigenen Unterricht – angeboten.

Die Projekte aus dem HSGYM-Innovationsfonds werden über den DLH anderen Lehrpersonen der Sek II zugänglich gemacht. Ein Innovationsfonds für Berufsfachschulen wird derzeit vorbereitet und soll nächstes Jahr so weit sein, dass eine erste Runde der Projekteingabe gestartet werden kann. Auch bereits bestehende oder kleinere Projekte werden im DLH aufgenommen.

Der DLH umfasst drei Ebenen respektive drei Räume. Als erster Raum gilt die digitale Plattform, auf der die Vernetzung der Lehrpersonen mit ihren Projekten stattfindet. Im zweiten, sozialen Raum können sich Lehrpersonen zu den Projekten oder eigenen Ideen austauschen sowie Teams für eine Zusammenarbeit bilden. Den dritten Raum bilden physische Räume am Bildungszentrum für Erwachsene im Seefeld. Hier können Lehrpersonen zusammenkommen und gemeinsam an ihren Projekten arbeiten.

Für den DLH sind zwei zentrale Personen als sogenannte «Crosslinker» im Einsatz – eine für die Mittelschulen, die andere für die Berufsfachschulen. Sie sprechen digital affine Lehrpersonen in den einzelnen Schulen an und laden sie in die drei Räume des DLH ein.

Anfang Oktober ist die Website des DLH Sek II online gegangen. Am 28. November findet am Nachmittag der erste «Digital-Learning-Vernetzungsworkshop Sek II» statt (Anmeldung online, die Anzahl Plätze ist beschränkt). [jo] 

          
   

Neue Serie im «Schulblatt»

Das «Schulblatt» wird die digitalen Unterrichtsprojekte, die mit Mitteln aus dem Innovationsfonds gefördert werden, im Rahmen einer neuen Serie vorstellen. Der erste Beitrag erscheint in der Ausgabe 1/2020.

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