Die zweite neue Schule entsteht

02.05.2019 - Mitteilung

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In Wädenswil arbeitet zurzeit ein dreiköpfiges Projektteam am Aufbau der Kantonsschule Zimmerberg. Dabei profitiert man von den Erfahrungen der Kantonsschule Uetikon. Eine Kopie der ersten soll die zweite neue Mittelschule trotzdem nicht werden.

Text: Jacqueline Olivier   Foto: Hannes Heinzer

Noch ist alles ruhig im markanten Gebäude mit der gerundeten Fensterfront, über der bis zum Sommer 2017 der blaue Schriftzug «vonRoll» prangte. Doch in etwas mehr als einem Jahr wird hier wieder Leben einkehren: Nach den Sommerferien von 2020 nimmt die Kantonsschule Zimmerberg in Au (Wädenswil) den Betrieb auf. Allerdings handelt es sich bei der Baute am Rande des Industriegebiets Moosacher lediglich um ein Provisorium für die ersten Jahre, das definitive Schulhaus wird vom Kanton im Au-Park erstellt und soll, sofern alles nach Plan verläuft, 2028 bezugsbereit sein.

Warum man, wenn man doch schon neu baue, nicht einfach mit dem Start der Schule noch etwas zuwarte, sei eine Frage, die ihm immer wieder gestellt werde, erzählt Hans Jörg Höhener, stellvertretender Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts und verantwortlich für den Bereich Schulraumaufbau und -entwicklung. «Dies ist aus zwei Gründen nicht möglich», lautet seine Antwort, «erstens brauchen wir die zusätzlichen Plätze angesichts der steigenden Schülerzahlen möglichst bald, und zweitens stellt man nicht von heute auf morgen eine neue Schule auf die grüne Wiese. Vielmehr muss eine Schule über Jahre organisch wachsen.»

Der Name steht fest

Seit bald einem Jahr ist man deshalb mit dem Aufbau der neuen Kantonsschule am linken Zürichseeufer beschäftigt, die Arbeiten sind bereits recht weit fortgeschritten. So steht beispielsweise der Name Kantonsschule Zimmerberg fest und reiht sich ein in die Tradition, dass die Kantonsschulen in der Regel den Namen der Region tragen, in der und für die sie stehen. Auch hat der Bildungsrat mittlerweile das Bildungsangebot beschlossen – ein Lang- und ein Kurzgymnasium mit allen Profilen ausser dem musischen – und die Stundentafeln, die vom Projektteamerarbeitet wurden, gutgeheissen. Sie seien, sagt Projektleiter Urs Bamert, praktisch identisch mit jenen der Kantonsschule Uetikon am See, die vor bald einem Jahr an den Start ging. Im Klartext bedeutet dies: weniger Lateinstunden, dafür Naturwissenschaftliches Forschen und Informatik bereits am Untergymnasium. Auch das Fach Religionen, Kulturen, Ethik, an der Volksschule fester Bestandteil des Unterrichts, wird auf dieser Stufe im Angebot sein.

Übrigens wird auch in Uetikon am See in den ersten Jahren in einem Provisorium unterrichtet, für das man jedoch zunächst eine Pavillonanlage erstellen und dafür eine Umzonung vornehmen musste. Was Ressourcen und Zeit kostete, die man nun in Wädenswil für anderes einsetzen kann. Etwa für die Erarbeitung eines Leitbilds, das anders als in Uetikon bereits parat sein soll, wenn die Schule ihren Betrieb aufnimmt. Das Projektteam hingegen ist das gleiche geblieben; neben Hans Jörg Höhener und Urs Bamert gehört als Dritte im Bunde Adjunktin Karin Tognella dazu.

Trotzdem ist der Aufbau der Kantonsschule Zimmerberg alles andere als ein «Copy/paste» von Uetikon. Allein der Standort abseits des Ortzentrums stellt die Verantwortlichen vor neue Herausforderungen, wie Urs Bamert erklärt: «Wir müssen hier einen Campus bilden, auf dem man den Tag verbringen kann.» Dazu gehört zwingend eine Mensa, denn in der näheren Umgebung befinden sich weder Restaurants noch Imbissbuden oder Läden. Und genau hier liegt einer der grossen Vorteile des viergeschossigen Gebäudes an der Steinacherstrasse 101: Eine Mensa ist bereits vorhanden. Denn vor der Von Roll Holding war hier die Militärakademie der ETH untergebracht; das Haus, in dem ursprünglich der deutsche Chemiekonzern BASF waltete, war also schon einmal zu Unterrichtszwecken umgebaut worden. Deshalb existiert auch eine Aula, und im Untergeschoss stehen Räume zur Verfügung, die sich gut für den Sportunterricht sowie als Nebenräume für den Hausdienst nutzen lassen.

Sport teilweise in freier Natur

Bauliche Anpassungen werden also nur punktuell vorgenommen werden müssen. Vor allem wird es darum gehen, einzelne Wände, die vom Vormieter eingezogen worden sind, wieder zu entfernen oder zu verschieben, um Schulzimmer von gebotener Grösse zu schaffen. Die umfangreichsten Umbauten sind im grosszügigen und derzeit edel mit Marmorboden und -theke ausgestatteten Eingangsbereich geplant: Hier werden Räume für den Instrumentalunterricht entstehen – ohne Marmor. Für den Sportunterricht werden ein grosser Fitnessraum mit Duschen und Garderoben sowie ein Trockenplatz im Innenhof zur Verfügung stehen. Weitere Optionen bietet die freie Natur in nächster Nähe. Weil dies aber nicht ausreicht, ist man mit der Schulgemeinde im Gespräch, ob man Sporthalle und -anlage der in Sichtdistanz gelegenen Volksschule mitbenützen könnte. Und apropos Freiraum: Der Aussenbereich der neuen Kantonsschule soll als attraktiver Aufenthaltsort für Schüler und Lehrer gestaltet werden. Losgehen mit den Bauarbeiten wird es im August dieses Jahres.

Das Team ist schon aktiv

Bereits tätig sind indes die Lehrerinnen und Lehrer des zukünftigen Gymnasiums. Das Team wurde nach Vorbild der Kantonsschule Uetikon am See gebildet: Ältere, erfahrene, und jüngere Lehrpersonen ergänzen sich in den einzelnen FachschaftenMitte März fand der erste Konvent statt, in den kommenden Monaten steht die Erarbeitung der Lehrpläne im Mittelpunkt. Die Unterrichtspensen werden zu Beginn allerdings noch sehr klein sein, weshalb die Lehrerinnen und Lehrer von anderen Schulen, an denen sie weiterhin ihr Hauptstandbein haben, «ausgeliehen » werden. Dabei habe man darauf geachtet, pro Schule nur ein bis drei Lehrpersonen zu rekrutieren, sagt Urs Bamert. Und Hans Jörg Höhener betont: «Wir haben – wie wir das bereits in Uetikon gemacht haben – im Vorfeld alle Kantonsschulen besucht, die von der neuen Schule betroffen sein werden, weil sie sich im gleichen Einzugsgebiet befinden. So konnten wir Konkurrenzängste, die es gab, abbauen.»

In den kommenden Wochen steht die Wahl der Schulkommission durch den Bildungsrat an. Designierter Präsident ist Reto Thaler, Generalsekretär der Pädagogischen Hochschule. Er wirkt bereits in der Findungskommission mit, die sich mit der Suche nach einer Rektorin oder einem Rektor für die neue Kantonsschule befasst. Der Kandidat oder die Kandidatin müsse zwingend aus dem Kanton Zürich stammen, wie Hans Jörg Höhener betont, gesucht werde jemand, der Schulsystem, Bildungslandschaft und Gepflogenheiten kenne. Schliesslich könne man hier keine fertige Schule übernehmen, sondern werde noch erhebliche Aufbauarbeit leisten, gleichzeitig im Neubauprojekt mitwirken und die Kanti Zimmerberg nach aussen positionieren müssen.

Weniger schlaflose Nächte

Bei der Positionierung hilft sicher, dass die Schule bereits über einen visuellen Auftritt verfügt. Auch darin unterscheidet sich der linksufrige Neuling von seinem rechtsufrigen Vorläufer, wie Karin Tognella ausführt: «Weil wir die Sache hier mit etwas mehr Ruhe angehen können, haben wir auf einen Auftritt für das Projekt ‹Neue Schule› verzichtet und uns von Anfang an auf den Auftritt der Schule konzentriert.» Gearbeitet wird mit pastellenen Hintergrundfarben und Schattenrissen von Schülerinnen und Schülern. «Wir wachsen mit dir» lautet der Slogan der Schule, der in den kommenden Monaten mit Inhalten gefüllt werden soll. Auf dieser Grundlage werde man eine modulare Kommunikation erstellen mit Homepage, diversen Flyern und Ähnlichem, erzählt Karin Tognella. So will man sichtbar werden für die Bevölkerung, die Familien und die zukünftigen Schülerinnen und Schüler. Selbstverständlich braucht es auch den direkten Kontakt, das persönliche Gespräch, etwa mit den Schulgemeinden im Einzugsgebiet. Auf diese ist man aktiv zugegangen und hat sie über das geplante Gymnasium informiert.

Der Ball rollt also, und zwar alles in allem recht rund. «Von den Erfahrungen von Uetikon haben wir natürlich schon profitiert», sagt Hans Jörg Höhener und fügt schmunzelnd hinzu: «Ich habe dieses Mal deutlich weniger schlaflose Nächte.» So weiss er beispielsweise aufgrund der grossen Nachfrage in Uetikon: «Es ist eben nicht so, dass alle Jugendlichen nach Zürich wollen, wie wir dies zu Beginn etwas befürchtet hatten.» Und mit welcher Begeisterung die Lehrpersonen von Anfang an ans Werk gegangen seien, ergänzt Urs Bamert, habe man am rechten Seeufer ebenfalls beobachten können. «Dort arbeiten alle viel mehr als nötig – das wird hier nicht anders sein.» Sie zu einem Team zusammenzuschweissen und eine Schulkultur zu etablieren – dies wird die Aufgabe der zukünftigen Schulleitung sein.

   
    

Die Kantonsschule Zimmerberg

Im August 2020 wird die Kantonsschule Zimmerberg in einem Provisorium – dem vormaligen Von-Roll-Gebäude – ihren Betrieb mit Lang- und Kurzgymnasium aufnehmen. Gestartet wird mit rund 100 Schülerinnen und Schülern in jeweils zwei 1. und 3. Klassen. In den nachfolgenden Jahren soll die Schule sukzessive auf rund 500 Schüler anwachsen. Inzwischen soll auf dem heutigen Industriegelände Au-Park in der Nähe des Bahnhofs Au ein Schulhaus-Neubau entstehen, in dem bis zu 1500 Schülerinnen und Schüler Platz haben werden. Verläuft alles nach Plan, wird die Kantonsschule Zimmerberg 2028 an ihren definitiven Standort umziehen. [jo]

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