Der Nachhaltigkeit verpflichtet

28.02.2019 - Mitteilung

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Die im letzten «Schulblatt» vorgestellte Sekundarschule Vorder Zelg gibt den Stab weiter an die Sekundarschule Turbenthal- Wildberg, erste «Klimaschule» der Schweiz.

Text: Reto Heinzel   Fotos/Collage: Marion Nitsch

Lage: Die Sekundarschule Turbenthal-Wildberg befindet sich am Rand von Turbenthal, einer Gemeinde im oberen Tösstal mit knapp 4900 Einwohnerinnen und Einwohnern. Zur Schulanlage Breiti gehört neben dem 1997 erbauten Sekschulhaus auch ein Primarschulhaus. Vor drei Jahren kam ein Mehrzweckgebäude mit einer Sporthalle und verschiedenen Werkräumen hinzu. Steckbrief: An der Sekundarschule wird in durchmischten Stammklassen unterrichtet (Niveaus A und B). Die meisten der rund 140 Sekschülerinnen und -schüler wohnen in Turbenthal, andere sind in den umliegenden Weilern oder in der kleineren Nachbargemeinde Wildberg zu Hause. Rund 25 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Das Team besteht aus 17 Lehr- und Fachlehrpersonen. Solarenergie vom Dach: Schulleiter Beat Spaltenstein war es schon lange ein Anliegen, die Solarenergie in der Schule zum Thema zu machen. Mit der Eröffnung des neuen Mehrzweckgebäudes ergab sich die Möglichkeit, die Idee in die Tat umzusetzen. Ein Mitglied der Baukommission machte Spaltenstein auf das Projekt «Jede Zelle zählt» (JZZ) der Klimaschutzorganisation myblueplanet aufmerksam. Diese unterstützte die Schule bei ihrem Vorhaben, lieferte Unterrichtsideen zu den Themen Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Projektdauer beträgt mehrere Jahre. Wirkung nach innen und aussen: Eine externe Firma installierte im Herbst 2015 auf dem Flachdach des Gebäudes eine Solaranlage, welche heute die Hälfte des Strombedarfs der Sekundarschule deckt. Die Schule selbst trug die Idee damals nach aussen, unter anderem mit einer Standaktion auf dem örtlichen Wochenmarkt. Schülerinnen und Schüler versuchten dort, zu einem symbolischen Preis möglichst viele Solarzellen an den Mann und an die Frau zu bringen. Das gesammelte Geld wird seither regelmässig in Klimaprojekte investiert. Das «Klimagewissen»: Nicht nur gegen aussen, auch gegen innen wurde durch die JZZ-Aktion etwas angestossen. Mit der Gründung eines Klimarats gelang es, Nachhaltigkeitsthemen auf die Schulagenda zu setzen. Dem Rat als «Klimagewissen» der Schule gehören aus jeder Klasse zwei Schüler an, zudem der Schulleiter, zwei Lehrpersonen und der Hausmeister. Das Gremium beschliesst laufend Semesterziele, die dann an der Schule umgesetzt werden. In den Vorjahren ging es mal um das korrekte Lüften oder ums Recycling auf dem Schulgelände. Seit diesem Schuljahr sind die «Papierspartipps des Klimarats» im Umlauf, mit denen vor allem die Lehrpersonen dazu angehalten werden, insbesondere beim Kopieren den Papierverbrauch zu senken. Gut verankert: Die Themen Energie, Klima und Nachhaltigkeit blieben also auch nach Abschluss des Solarprojekts präsent. Sie sind zu einem festen Bestandteil des Unterrichts geworden, und auch in den Leitsätzen der Schule nehmen sie einen prominenten Platz ein. Gestärkt durch den grossen Rückhalt bei Schulpflege, Lehrpersonen und Bevölkerung ging die Schule einen Schritt weiter und bewarb sich 2017 erfolgreich für das Label Klimaschule, das ebenfalls durch myblueplanet vergeben wird. Dafür musste die Sek Breiti insgesamt zehn Kriterien erfüllen, die gemäss Klimaschutzorganisation «nachhaltig den ökologischen Fussabdruck der Schule verringern und die ganze Schulgemeinschaft sowie deren Umfeld für die Energiewende und den Klimaschutz sensibilisieren». Dazu gehört etwa die Förderung der klimafreundlichen Mobilität oder die Optimierung des Gebäudebetriebs.

         
     

Rahel 14, Schülerin

«Ich gehe in die 2. Sek. und bin seit zwei Jahren Mitglied des Klimarats. Wir besprechen dort, was man fürs Klima machen kann. Vom Klimawandel oder von der Umweltverschmutzung habe ich zwar früher auch schon gehört, aber jetzt kann ich mir viel mehr darunter vorstellen. Die Themen bringen mich zum Nachdenken. Fürs Voci-Lernen nehme ich heute auch mal ein Blatt aus dem Altpapier, und wenn ich aus dem Zimmer gehe, mache ich jetzt viel öfter das Licht aus.»

Emerson, 13, Schüler

«Mir gefällt, was wir im Klimarat machen, dass wir auch etwas über die Umwelt lernen. Früher konnte ich mir zum Beispiel unter Erdöl wenig vorstellen. Dann haben wir das Thema in der Schule behandelt. Heute weiss ich, dass es endlich ist. Auch beim Soja schaue ich jetzt genau, woher es kommt. In Brasilien werden ja ganze Regenwaldgebiete abgeholzt, damit Soja gepflanzt werden kann. Die Zusammenhänge werden mir im Alltag immer klarer.»

Daniel Stamm, 43, Oberstufenlehrer

«Ich bin überzeugt, dass das Thema Nachhaltigkeit in die Schule gehört. Das ist ja auch im Lehrplan 21 so vorgesehen. Es geht um die Rücksicht gegenüber den Mitmenschen, aber auch gegenüber der Natur. Das den Schülerinnen und Schülern mitzugeben, ist mir ein Anliegen. Der Symbolcharakter von ‹Jede Zelle zählt› war wichtig. Zudem war der Bau der Solaranlage sehr anschaulich, auf diese Weise bleibt bei den Jugendlichen viel mehr haften. Im Unterricht ist derzeit der Papierverbrauch ein riesiges Thema. Ich selbst habe die Papierspartipps sehr ernst genommen und den Verbrauch um sicher 50 Prozent verringert. Heute drucke ich viel weniger aus als früher und zeige fast alles am Beamer. Im Klimarat bin ich seit Anfang dabei. Wir entscheiden über Projekte, die zum Teil aus dem Erlös unserer Sammelaktion finanziert werden. So haben wir zum Beispiel CO2-Geräte für die Klassenzimmer angeschafft. Diese zeigen an, wann der ideale Zeitpunkt zum Lüften ist.»

Beat Spaltenstein, 58, Schulleiter

«Ich arbeite seit 33 Jahren an dieser Schule, die letzten 24 Jahre als Schulleiter. Eine Solaranlage zu bauen, war mir schon lange ein Anliegen. Egal, wie man über Energie, Klima oder Nachhaltigkeit denken mag: Es schadet sicher nicht, sorgsam mit den Ressourcen unseres Planeten umzugehen. Wir wollen nicht missionieren, wir wollen einen Beitrag zur Sensibilisierung leisten. Die Jugendlichen leisten mit ihrem Einsatz einen kleinen Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs. Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Entscheidungsträger von morgen. Wenn sie sich morgen also an das erinnern, was sie bei uns gehört haben, ist ein wichtiges Ziel erreicht. Und vielleicht verzichtet der eine oder die andere dann ja sogar auf das allerneueste Handymodell und entscheidet sich, sein altes noch ein Jahr länger zu nutzen, wer weiss. Das Engagement bereitet mir Freude. Es stiftet Identität nach aussen, und es verbindet nach innen.»

       
       

Stafette

Das «Schulblatt» besucht Schulen, die im Unterricht und Schulalltag interessante Wege entwickeln. Die vorgestellte Schule bestimmt, welche Primar- oder Sekundarschule in der kommenden «Schulblatt»-Ausgabe vorgestellt wird. Die Sekundarschule Turbenthal-Wildberg wünscht sich als Nächstes die Schule Werd in Adliswil, die sich stark mit der Nutzung von Cloud-Diensten im schulischen Alltag beschäftigt.

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