Eine saubere Sache

11.05.2018 - Mitteilung

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Die im letzten Schulblatt vorgestellte Heilpädagogische Schule des Bezirks Affoltern gibt den Stab weiter an die Sekundarschule Walenbach in Wetzikon.

Text: Reto Heinzel Fotos/Collage: Marion Nitsch

Steckbrief: Die Sekundarschule Walenbach liegt im Wetziker Ortsteil Kempten. Hier unterrichten derzeit 26 Lehrpersonen 210 Sek-A- und Sek-B-Schülerinnen und -Schüler. Knapp 40 Prozent der Jugendlichen sprechen zu Hause eine Fremdsprache. Das Umfeld ist städtisch geprägt, Schulleiter Fredy Rau spricht von einer «guten sozialen Durchmischung». Als Kooperationsschule der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) leistet das Walenbach seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Lage der Schule: Die Sekundarschule Walenbach befindet sich unweit des gleichnamigen Primarschulhauses. 1994 auf der grünen Wiese erbaut, handelt es sich beim mehrstöckigen Schulhaus um einen lichtdurchfluteten, luftigen Bau, der im Innern von grosszügigen zentralen Begegnungszonen dominiert wird. Um diese Innenplätze herum sind die Schulzimmer angeordnet. Hinzu kommen zahlreiche Nischen mit Tischen und Stühlen – Rückzugsorte des Lernens und der Ruhe. Nicht ganz zufällig liessen sich die Erbauer bei der Planung von der früheren Industriearchitektur inspirieren. Ganz in der Nähe befindet sich nämlich der Industriepfad Zürcher Oberland. Konzept des offenen Schulhauses: Das Walenbach ist jeweils von 7.10 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. Aussergewöhnlich ist, dass während der Pausen kein Zwang besteht, das Gebäude zu verlassen – auch über Mittag dürfen sich die Schülerinnen und Schüler frei im Gebäude bewegen. Im grosszügigen Aufenthaltsraum können die Jugendlichen mitgebrachtes Essen wärmen. Über Mittag ist in der Bibliothek eine Betreuungsperson anwesend. Zudem gibt es seit einem Jahr einen Mittagstisch. No-Littering-Label: Als eine der ersten Schulen erhielt das Walenbach letztes Jahr das sogenannte No-Littering- Label der IG saubere Umwelt (IGSU). Mit dem Label werden Schulen, Städte und Gemeinden ausgezeichnet, die sich aktiv und mit zielgerichteten Massnahmen gegen Littering – das achtlose Wegwerfen von Abfall – starkmachen. Lange Tradition: Abfallvermeidung, Aufräumen, der Natur Sorge tragen – das sind Themen, die im Walenbach schon lange grossgeschrieben werden. Seit mehr als 20 Jahren beteiligt sich die Schule gemeinsam mit dem Naturschutzbund an den jährlichen Aufräumarbeiten im nahe gelegenen Ambitzgi-Riet. Das Umwelt-Engagement wurde im Laufe der Zeit stetig erweitert und ist mittlerweile zur Schulphilosophie geworden. Heute lernen bereits die 1.-Sek- Klassen an Workshops, wie Abfall vermieden wird, wie Recycling und Abfalltrennung funktionieren. Und im Herbst beteiligen sich die 3. Klassen jeweils am Clean-Up-Day: Ausgerüstet mit Handschuhen und Signalweste säubern sie das Quartier von Abfall und Schmutz. Saubere Schule: Ordnung halten gilt indes während des ganzen Jahres, und zwar für alle. Dabei ist jeder Jahrgang für einen bestimmten Bereich zuständig. Täglich reinigen die Schülerinnen und Schüler ihr Klassenzimmer und räumen die dazugehörenden Aussenräume auf, die 3. Klassen sind für die Sauberkeit im Aufenthaltsraum zuständig. Einmal wöchentlich wird zudem das Schulhausareal gewischt und von Unrat befreit. Konsequente Haltung: All diese Tätigkeiten werden regelmässig in der Klassenstunde reflektiert. Sie stellten für sich genommen «nichts Revolutionäres» dar, sagt der Schulleiter, doch seien sie «Ausdruck einer klaren Haltung». Kein Wunder also, dass die Schule schon lange zu den Mitgliedern des Schweizerischen Netzwerks gesundheitsfördernder und nachhaltiger Schulen zählt, dem heutigen Schulnetz 21. In diesem Rahmen entstand beispielsweise ein Konzept in Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung. Zudem wurde ein Projekt in Sachen Konfliktlösung durchgeführt.

 

   

   
       

Melis, 15, Schüler

«‹Fötzelen› kannte ich schon, das mussten wir in der Primarschule machen. Hier tun wir das auch, und zwar regelmässig. Doch nicht nur das: Wir müssen auch täglich unser Schulzimmer putzen. Jeder ist jeweils während einer Woche für einen bestimmten Bereich verantwortlich, zum Beispiel für den Zimmerboden oder die Wandtafel. Die Auseinandersetzung mit den Themen Umwelt und Abfall begann gleich zu Beginn der 1. Sek. Damals kamen Fachleute an die Schule. Sie erklärten uns, was passieren kann, wenn man Dinge einfach wegwirft. Dass man so vielleicht den Tieren schadet. Sie zeigten auch, welche Auswirkungen die Verschmutzung von Flüssen und Meeren haben kann. Über solche Dinge hatte ich mir bis dahin überhaupt keine Gedanken gemacht. Das beeindruckte mich. Heute werfe ich alles, wirklich alles in den Kübel. Mir ist klar geworden, dass Littering letztendlich vor allem uns Menschen schadet. Dieses Wissen nehme ich fürs Leben mit.»

Caroline Gritsch, 56, Lehrerin

«Als ich vor einigen Jahren ein Mail der IGSU bekam, dachte ich spontan: Das wäre doch etwas für unsere Schule, das würde zu unserem bestehenden Engagement und zur Philosophie der Schule passen. Als bald darauf IGSU-Mitarbeitende vorbeikamen und mit den Schülerinnen und Schülern der 1. Sek. einen Workshop durchführten, kam das gut an; bald weiteten wir das Thema aus. Man darf sich jedoch nicht täuschen: Nicht alle lassen sich gleichermassen für ‹No Littering› sensibilisieren, den Schülerinnen und Schülern werden zu Hause vielleicht ganz andere Werthaltungen vermittelt. Erst in der Schule merken sie dann, dass man die Welt auch anders betrachten kann. Ich bemühe mich natürlich nach Kräften, die Jugendlichen zu erreichen, gleichzeitig will ich aber auf die Jugendlichen auch nicht missionarisch wirken. Es braucht auch gesunden Menschenverstand. Zentral ist für mich deshalb vor allem eines: den Jugendlichen eine positive Lebenseinstellung zu vermitteln.»

Fredi Rau, 61, Schulleiter 

«Ich bin seit der Eröffnung hier tätig, seit 1999 leite ich die Schule. Das Thema Rücksichtnahme hat für uns im Alltag grosse Bedeutung. Dazu gehört einerseits der Umgang mit den Mitmenschen: Im Walenbach legen wir Wert auf eine angenehme Atmosphäre und ein offenes soziales Klima. Es wird eine Kultur des respektvollen Miteinanders gelebt. Anderseits fördern wir den bewussten Umgang mit der Natur. Das heisst: Sorge tragen, nichts kaputt machen, wertschätzen. Für mich ist klar, dass beides – die Natur und das Soziale – zusammenhängt. Unsere Bemühungen sind vom Gedanken getragen: Wenn ich mich am Arbeitsort wohlfühle, mache ich auch weniger kaputt. Unser Konzept des offenen Schulhauses ist ein wichtiger Teil dieser Philosophie. Wer hier arbeiten will, muss damit klarkommen. Entscheidend ist die Grundhaltung, die jemand mitbringt, und diese wird von allen unseren Lehrerinnen und Lehrern geteilt. Sie sind alle sehr engagiert.»

 

  

   
    

Stafette

Das Schulblatt besucht Schulen, die im Unterricht und Schulalltag interessante Wege entwickeln. Die vorgestellte Schule bestimmt, welche Primar- oder Sekundarschule in der kommenden Schulblatt-Ausgabe vorgestellt wird. Die Sekundarschule Walenbach wünscht sich als Nächstes: die Schule Rebhügel in Zürich mit ihrem Yoga-Projekt.

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