Auftanken

24.08.2018 - Mitteilung

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Ein Hobby zu pflegen, ist eine schöne Sache. Und eine wertvolle dazu, denn eine Freizeitaktivität hilft, von der Arbeit abzuschalten, und gibt neue Energie. Vier Lehrpersonen erzählen.

Fotos: Dieter Seeger

Dorothea Brunner, Schulische Heilpädagogin an der Schule Feldmeilen

«Musik, das ist für mich Körper, Geist und Seele zusammen», sagt Dorothea Brunner. Kein Wunder also, dass die Violine ihr ständiger Begleiter ist. Sie überlegte sich einst, das Konservatorium zu besuchen, nach reiflicher Überlegung entschied sie sich dann aber dagegen. «Das viele Üben alleine im stillen Kämmerlein wäre mir zu einsam gewesen», sagt sie. Sie machte die Ausbildung zur Primarlehrerin. Brunner schätzt die Zusammenarbeit mit Menschen und liebt das Unterrichten der Kinder – deren Neugier, Offenheit und Begeisterungsfähigkeit. Seit jeher gehört ihr Herz aber auch der Musik. 1995 trat sie dem Akademischen Orchester Zürich (AOZ) bei, obschon sie eigentlich nicht an der Uni studierte. «Sie hatten damals zu wenig Violinen», sagt sie schmunzelnd. Die Zeit im AOZ beschreibt sie als «unheimlich bereichernd», auch deshalb, weil hier Studierende unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zum gemeinsamen Musizieren zusammenfanden.

Zehn Jahre später gehörte Brunner zu den Gründungsmitgliedern des Alumni-Sinfonieorchesters Zürich (ALSO), wo sie noch heute im Vorstand aktiv ist. Neben der Orchestertätigkeit pflegt sie auch die Kammermusik, engagiert sich in interdisziplinären Projekten mit Theater- und Tanzschaffenden. Einige Jahre war sie in einem Musikbildungsprojekt in Mannheim (D) tätig, bei dem Pädagogik mit Musik und Tanz verknüpft war. Alles unter einen Hut zu bringen, verlangt eine hohe Disziplin. Sie versuche täglich zu üben, sagt sie. «Ich brauche das: Auf ein Ziel hinzuarbeiten – auf die Probe, auf ein Konzert.» Brunner hat eine 70-Prozent-Anstellung als Heilpädagogin, 30 Prozent ist sie Musikerin. «Die Musik lässt mich Abstand gewinnen zum Berufsalltag, das Spielen verlangt meine volle Konzentration.» Aus ihrer musikalischen Leidenschaft schöpft sie viel Kraft und Energie. «Eine Bereicherung sind aber auch die vielen tollen Menschen, mit denen ich dabei zusammenarbeiten darf.» Und sie ist überzeugt, dass von ihrem ausserschulischen Engagement auch die Schulkinder profitieren. «Ich kann ihnen wichtige Erkenntnisse weitergeben – Techniken fürs Auswendiglernen zum Beispiel, wie ich sie beim Üben auf der Geige anwende.» [rh]

Martin Haberkern, Primarlehrer an der Schule Eglisau

Ein Leben ohne quakende Untermieter kann sich Martin Haberkern nicht vorstellen. Frösche haben es ihm angetan. Seinen ersten Hausfrosch hielt der spätere Primarlehrer mit sechs Jahren. «Gumpi» war ein Laubfrosch, der durch das Abdeckgitter ins Kellerloch gefallen war. Bei Haberkerns in Uster genoss das drollige Kerlchen rasch vollen Familienanschluss und weckte im kleinen Martin eine Leidenschaft, der er als Erwachsener bis heute frönt: dem Züchten und Erforschen von Amphibien.

Im Laufe der Jahre hat er seinen Fokus allerdings eingeengt. Heute sind es die Pfeilgiftfrösche, die seine ganze Aufmerksamkeit geniessen. 80 Feuchtterrarien stehen in seinem Keller, momentan beherbergt er hier rund 300 Tiere. Sie alle gehören derselben Art der Pfeilgiftfrösche an, leuchten aber in allen in dieser Art möglichen Farbvarationen. So viele Tiere benötigen eine ganze Menge Futter, das sich aus verschiedenen kleinen Insekten zusammensetzt. Auch diese züchtet Martin Haberkern selbst. 10 000 täglich werden von seinen Kostgängern geschluckt. Wenn er die Jungtiere, die momentan noch sehr klein sind, später weitergibt an andere Züchter oder Zoos, kann er die Futterproduktion – für die er ausser zum Putzen der Terrarien die meisten Arbeitsstunden aufwendet – vorübergehend ein wenig zurückfahren. Für die Kontakte und den Austausch mit anderen Haltern und Züchtern rund um den Planeten unterhält er eine Website, auf der viele Fäden zusammenlaufen. Der Mittfünfziger hat sich längst einen Namen gemacht in der Welt der Amphibien-Experten. Zwischenzeitlich hatte er mit seiner Frau, ebenfalls Primarlehrerin und damals noch Echsenzüchterin, sogar in Costa Rica einen Frosch-Zoo ins Leben gerufen. Aus verschiedenen Gründen kehrte das Ehepaar Haberkern nach einigen Jahren aber in die Schweiz zurück, den Zoo gibt es inzwischen nicht mehr.

Sein Hobby verbindet Martin Haberkern gerne mit der Schule. «Amphibien sind für den Unterricht immer geeignet.» Und wenn sich Kollegen dem Thema widmen wollen, wenden sie sich noch so gerne an den Fachmann in den eigenen Reihen. Dass dieser auch an der Pflege des Schulbiotops mitarbeitet, versteht sich von selbst. Auch sind Schulklassen in seinem Keller keine Seltenheit. Nur eines ist für ihn etwas schwierig: mehr als ein paar Tage wegzugehen. Aber lange würde er es ohne seine Tierchen ohnehin nicht aushalten. [jo]

Marco Zanoli, Geschichtslehrer an der Kantonsschule Enge

Das ist definitiv mehr als ein Hobby. Hier ist wahre Leidenschaft am Werk. Marco Zanoli ist Geschichtslehrer an der Kantonsschule Enge (KEN). Mit Geschichte hat sich der Historiker aber während Jahren auch ausserhalb des Klassenzimmers beschäftigt. Beinahe täglich, und manchmal bis spät in den Abend hinein. Seit 2004 hat Zanoli unter dem Namen «Sidonius» auf Wikipedia weit über hundert Artikel verfasst oder bereits bestehende Artikel ergänzt. Sein Hauptinteresse gilt dabei der Schweizer und der deutschen Geschichte. Zudem hat er fürs freie Online-Lexikon und für verschiedene Auftraggeber diverse historische Karten gezeichnet. «Andere gamen in ihrer Freizeit oder spielen Fussball. Ich schreibe für Wikipedia und zeichne Karten», sagt er.

Geschichte und Karten faszinieren Zanoli seit frühester Kindheit. Schon als Neunjähriger begann er, historische Romane zu lesen. Dass er als Wikipedia-Autor nie das letzte Wort hat und ihm andere aus der Wikipedia-Community jederzeit in die Arbeit hineinpfuschen können, hat ihn nie gestört. Im Gegenteil. «So werden Fehler rasch korrigiert.» Seine Mission ist es, historisches Wissen zu verbreiten. In der Vergangenheit widmete Zanoli Wikipedia einen Grossteil seiner freien Zeit. «Ich bin eine Art ‹Geschichtsnerd›», gesteht er. «Rückblickend kann man wohl fast von einer Art Sucht sprechen, die mir aber immer auch im Unterricht zugutekam. » Seit einigen Jahren bleibt ihm allerdings fürs Wikipedia- Projekt kaum mehr Zeit, sagt der Vater von zwei 5- und 7-jährigen Kindern. Das hat nicht nur etwas mit den familiären Pflichten zu tun, sondern liegt auch an den schulischen Verpflichtungen. So hat er vor einigen Jahren eine Festschrift zum 30-jährigen Jubiläum der KEN organisiert und mitverfasst, ferner leitet er das vierköpfige Informatik-Team und ist für den Anwendersupport zuständig. Auch ausserhalb der Schule ist er aktiv. Seit Kurzem ist er Präsident der Ritterhausgesellschaft Bubikon, der er schon lange angehört. In den Ferien aber findet Zanoli immer noch Zeit, seiner Wikipedia-Leidenschaft zu frönen. Sein neuestes Projekt: Er möchte eine Karte zur historischen Entwicklung des Herzogtums Savoyen anfertigen. «Darauf freue ich mich.» Und er ergänzt: «Für mich ist dies eine wunderbare Möglichkeit, Beruf und Hobby zu verbinden – ein Best-Case-Szenario.» [rh]

Corinne Sylla, Handelslehrerin an der Wirtschaftsschule KV Zürich

Corinne Sylla lebt nicht zwischen, sondern mit zwei Kulturen. Durch die Heirat mit ihrem Mann, einem Berufsmusiker aus Guinea, ist ihr Afrika, insbesondere Westafrika, zur zweiten Heimat geworden. Diese bringt die St. Gallerin heute den Menschen in ihrer ersten Heimat näher. 2015 gründete sie den Verein Namougni, der westafrikanische Kulturanlässe organisiert, oft verbunden mit Musik- und Tanzworkshops und anschliessenden Konzerten und Shows. Auch Africa-Dinners gehören zum Veranstaltungsprogramm, ebenso Kulturreisen nach Guinea. Einmal habe der Verein eine Modenschau auf die Beine gestellt, erzählt die Präsidentin, oder einen afrikanischen Märchennachmittag für Kinder in der Stadtbibliothek St. Gallen.

Die meisten Anlässe organisieren Corinne Sylla und ihr Mann in Eigenregie, andere auch im Kontakt mit weiteren Afrikavereinen. Während ihr Mann für das Künstlerische zuständig ist, übernimmt sie das Planerische. Mit Erholung habe dieser Teil ihres Hobbys nichts zu tun. «Aber es macht mir Spass, und den Anlass selber kann ich dann jeweils durchaus geniessen.» Ein Wochenende mit ganz anderen Menschen zu verbringen, gebe ihr jedes Mal wieder neue Energie. Manchmal tanzt sie auch mit. Mit drei Kindern ist das allerdings nicht ganz einfach, das jüngste ist erst wenige Monate alt, sie selbst erst seit Kurzem zurück aus dem Mutterschaftsurlaub. Da musste sie im Verein erst einmal etwas kürzertreten, das Programm auf ein Minimum reduzieren. «Da wir ein kleiner Verein sind, können wir den Aufwand gut selber steuern», meint sie. Zudem kann sie sich die Zeit einteilen, auch die, während der sie Flyer kreiert oder die Vereinswebsite betreut. Schon dies ist für die 30-jährige Handelslehrerin eine Abwechslung zum Berufsalltag an der Wirtschaftsschule KV Zürich. Dort hat sie ein 50-Prozent-Pensum als Handelslehrerin, beim Pendeln zwischen Zürich und St. Gallen erledigt sie so manche Arbeit für «Namougni».

Natürlich bieten sich ihre Erfahrung und ihr Wissen in Bezug auf Afrika geradezu dafür an, im Unterricht eingebaut zu werden. Was Corinne Sylla, wenn es passt, auch macht. Zudem wären sie und ihr Mann auch offen, an der Schule gelegentlich Workshops durchzuführen, wenn dies gefragt wäre. Doch im Moment hat sie auch sonst noch genug zu tun, sind doch gerade wieder neue öffentliche Anlässe in Planung. [jo]

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