Polydesignerin 3D

06.01.2017 - Mitteilung

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Yvee Nogara, lernende Polydesignerin 3D, arbeitet gerne mit unterschiedlichsten Materialien. Als ihre Ausbildnerin Tamara Broggi in den Beruf einstieg, hiess er noch Dekorationsgestalterin.

Text: Paula Lanfranconi   Foto: Sabina Bobst

Von aussen deutet nichts darauf hin, dass in diesem nüchternen Oerliker Betonkomplex über 100 Personen damit beschäftigt sind, Events wie das Zurich Film Festival baulich zu gestalten. Wir befinden uns im «Noerd», dem «Gewerbehaus der Kreativen» in Zürich-Nord. Einer der beiden Hauptmieter ist «Aroma», eine grosse Kreativagentur für dreidimensionale Kommunikation. Auf vier Stockwerken dreht sich hier alles um Ausstellungen, Events, Warenpräsentationen und Innenarchitektur.

Yvee Nogara, 21, bewegt sich leichtfüssig zwischen den verschiedenen Abteilungen. Die angehende Polydesignerin 3D hat den Schwerpunkt Realisation gewählt und beschäftigt sich vor allem mit der handwerklichen Umsetzung von Ausstellungskonzepten. Kein Arbeitstag ist gleich: «Wir verbringen unsere Lehrzeit in unterschiedlichen Abteilungen wie Werbetechnik, Schreinerei, Grafik, Produktion, Logistik. Das gibt einen guten Einblick in die Berufswelt.» Die junge Frau wirkt ruhig und überlegt. Jetzt, im vierten Lehrjahr, befasst sie sich mit der Arbeitsvorbereitung: Ein Kunde hat eine Messevitrine bestellt. Die Lernende plant die Arbeitsschritte, macht Kostenvoranschläge, präsentiert sie dem Kunden und gibt die Vitrine dann in Produktion. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. «Ich bin von A bis Z für den Auftrag zuständig und darf die Übersicht nicht verlieren», sagt sie.

Früh wusste sie, dass sie in einen gestalterischen Beruf wollte. Sie zeichnet gerne und war oft in Holzwerkstätten anzutreffen. Nach der Sek B absolvierte sie den gestalterischen Vorkurs an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich und machte gleich noch ein Praktikum bei einem 3D-Objektbauer. Diese Zielstrebigkeit zahlte sich aus: Auf alle ihre fünf Lehrstellenbewerbungen bekam Yvee Nogara Zusagen.

Kein Mangel an Bewerbungen

Die Nachfrage nach P3D-Lehrstellen ist gross. «Wir erhalten pro Stelle bis zu 300 Bewerbungen, das zwingt uns zu einem strikten Auswahlprozedere», sagt Tamara Broggi, Ausbildnerin und Projektleiterin bei «Aroma». Das Unternehmen lädt maximal 15 Jugendliche, welche den gestalterischen Vorkurs bereits absolviert haben, zu einem Casting Day ein. Dabei müssen sie unter anderem eine gestalterische und eine handwerkliche Aufgabe lösen. Drei Kandidaten dürfen dann drei Tage lang schnuppern.

Die 32-jährige Tamara Broggi kam als Quereinsteigerin in den Beruf. Ursprünglich hatte sie Kosmetikerin gelernt. Ihre wahre Liebe galt jedoch dem Gestalterischen. Sie machte den gestalterischen Vorkurs und arbeitete als Reisedekorateurin und Freelancerin auf Events. So gelang ihr der Einstieg bei einer Kreativagentur. «Es war Learning by doing. Ich habe immer gut beobachtet und nachgefragt », erzählt die lebhafte Frau. Vor zwei Jahren kam sie zu «Aroma» und ist dort seit Kurzem als Berufsbildnerin auch verantwortlich für die sieben P3D-Lernenden – zwei davon mit dem Schwerpunkt Kreation, fünf mit dem Schwerpunkt Realisation. Ihr Alltag ist abwechslungsreich: Einmal geht es um das Design für eine Medienkonferenz, ein anderes Mal um einen neuen Filialauftritt. «Und bald sind wir an der Ski-WM 2017 dran.»

Eigenes Projekt nebenbei

Auch Yvee Nogara macht diese Vielfalt am meisten Freude: «Ich sitze nicht nur am Computer, sondern arbeite auch handfest mit verschiedenen Hölzern, Kunststoffen, Farben.» Besonderen Spass macht ihr im Moment ein Projekt der Lernenden. Es geht um die Gestaltung eines Restaurants für eine gemeinnützige Organisation. Die jungen Leute erarbeiteten das Gestaltungskonzept. Jetzt sind sie daran, alles zusammenzubauen. «Und ich darf diesen Job leiten», sagt die junge Frau mit Stolz. So viel Gestaltungsfreiheit ist indes nicht berufstypisch. Die Mehrheit ihrer Kolleginnen an der Berufsfachschule macht eine Lehre mit Schwerpunkt Styling und arbeitet in Warenhäusern oder bei Grossverteilern. Dort werden die Präsentationskonzepte oft von der Marketing- abteilung oder den jeweiligen Labels vorgegeben.

Bald ist Lehrabschlussprüfung. Danach möchte Yvee Nogara noch ein Jahr bei «Aroma» bleiben. Ihr Traum: Im Ausland Interior- oder Möbeldesign studieren. Allerdings brauchte sie dafür die Berufsmatur, doch Mathematik interessiere sie «einfach null», stellt sie nüchtern fest. Sie kann sich auch vorstellen, ihre breite Ausbildung in einem Schreinereibetrieb oder in der Werbetechnik einzusetzen. Und später ihr eigenes Ding zu machen. Schon jetzt gestaltet sie in ihrer Freizeit die Dekoration für das Stolze Openair, das grösste Stadtzürcher Gratis-Openair. «In diesem Haus», sagt Ausbildnerin Tamara Broggi, «gibt es viele kreative Köpfe.» Ein wenig wurde auch Yvee Nogara schon von diesem Virus angesteckt.
 

Der Beruf Polydesigner/Polydesignerin 3D EFZ
Ausbildung: vierjährige berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis
(EFZ). Schwerpunkte: Kreation, Realisation, Styling. Anforderungen: abgeschlossene Volksschule, gute Leistungen im Zeichnen und in Deutsch, handwerkliches Geschick, Gestaltungstalent, überdurchschnittliches räumliches Vorstellungsvermögen, Sinn für Farben und Formen, Kreativität und Improvisationstalent. Berufsfachschule: Gestaltungsschule Zürich (GDK). Karrieremöglichkeiten: zum Beispiel Farbdesigner/in mit eidgenössischem Fachausweis, Dipl. Marketingleiter/in mit höherer Berufsprüfung, dipl. Gestalter/in HF Kommunikationsdesign mit Vertiefung Visual Merchandising Design, Bachelor of Arts (FH) in Innenarchitektur, Visueller Kommunikation oder Produkt-und Industriedesign.
▶ www.polydesign3d.ch
Berufslehre heute Jedes Jahr treten im Kanton Zürich rund 12 500 Jugendliche eine Lehrstelle an. Das Schulblatt porträtiert in einer Serie jeweils eine Berufsbildnerin oder einen Berufsbildner (Lehrmeister) und eine Lernende oder einen Lernenden (Lehrling) in ihrem Arbeitsalltag.

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