Mit Herz und Hirn im Dienst der Tiere

27.10.2017 - Mitteilung

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Urs Löffel ist Tierpfleger an der Kantonsschule Zürcher Unterland (KZU). Ihm ist auch das Unscheinbare wichtig.
 

Text und Foto: Luzia Schmid

Die Sinne seien seine wichtigsten Arbeitshilfen, sagt Urs Löffel, Tierpfleger an der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach. Vor allem die Augen, um sich ein Bild von der Verfassung seiner Pfleglinge und deren Lebensräumen zu machen. Aber auch Hirn und Herz seien wichtig, um sich in die Tiere einzufühlen. Er habe wahrscheinlich einen der schönsten Jobs, sagt der 60-Jährige. Die Terrarien und Aquarien in den Schulhausgängen sehen aus wie Kunstwerke. Steine und Pflanzen sind fein säuberlich angeordnet, zwischen grünen Wasserpflanzen im Aquarium blühen rote Blumen. Beim Rosenkäfer im Terrarium leuchten gelbe Blüten mit seiner Musterung um die Wette, lila Klee säumt den Boden.

Früher war Löffel Tierpfleger im Zoo Zürich, wo er fast 30 Jahre lang arbeitete. Weil er das Tierwohl stets über die Interessen des Zoopublikums gestellt habe, sei ihm gekündigt worden. «Das hat mich sehr getroffen.» Das Schlimmste sei die Trennung von seinen Schützlingen – Tiger, Schneeleoparden und Eulen – gewesen, sagt der Tierpfleger.

Nach zwei Jahren ohne Arbeit stiess der damals 55-Jährige auf das Inserat der KZU. «Das was ein Riesenglück!» Dank dieser Anstellung könne er seinen Traumjob nun weiter ausüben. Besonders schätzt Löffel, dass er in Bülach mitdenken und Verantwortung übernehmen darf. «Ich habe Freiräume für die Umsetzung kreativer Ideen und bekomme von den Lehrpersonen motivierendes Feedback.»

Heute betreut er statt der wilden Tiere Tausendfüssler, Gespensterschrecken, Afrikanische Riesenschnecken, Mäuse, Schlangen und Fische. Diese so zu präsentieren, dass sie sich wohlfühlen und junge Menschen auf sie aufmerksam werden, sei jeden Tag spannend und eine echte Herausforderung. «Ich möchte den Schülern nebst dem Wissen vermitteln, dass auch kleine Tiere Beachtung verdienen und wie eindrücklich auch Unscheinbares sein kann.»

Tausende von Tieren

Der 60-Jährige ist zu 50 Prozent an der KZU als Tierpfleger angestellt. Er arbeitet zusammen mit einer Biolaborantin. Sie ist im Labor beschäftigt, bereitet für die Lehrerinnen und Lehrer etwa das Material für Experimente vor. Löffel kümmert sich um die Tiere. Wie viele es genau sind, kann er nicht sagen. «Derzeit etwa 54 Arten», schätzt er, «Tausende von Tieren würde ich sagen.» Kürzlich bekamen die Tausendfüssler Nachwuchs – 137 Jungtiere hatte Löffel gezählt. Ein anderes Mal beobachtete er, dass sich die Achatschnecken rasant vermehrten. Darauf stellte er das Glas mit der afrikanischen Schneckenart in den Schulhausgang und liess die Jugendlichen schätzen, wie viele Tiere sich darin befinden. «Jenem, der am besten schätzt, versprach ich eine Pizza», sagt Löffel. Rund 270 Schülerinnen und Schüler nahmen am Wettbewerb teil. Nach einer intensiven Zählaktion kam der Tierpfleger schliesslich auf rund 1300 Schnecken. Die meisten Schülerinnen und Schüler lagen mit ihren Schätzungen weit daneben, doch der Sieger verfehlte die korrekte Zahl nur um wenige Exemplare.

Momentan steht im Eingangsbereich der Schule ein Terrarium mit Riesenheuschrecken. Dank guten Kontakten zu Tierparks und Zoos sind an der KZU immer wieder einmal andere Tierarten zu bestaunen.

Viel gelesen, viel gelernt

Er habe noch nie so viel über Tierarten gelesen und gelernt wie in den letzten Jahren. «Ich musste zum Beispiel selber herausfinden, wie man einem Axolotl, der zu den Schwanzlurchen gehört, den Alltag interessant gestaltet.» Seine Hauptaufgabe sei es denn auch, den Tieren den Lebensraum so einzurichten, dass sie sich wohlfühlen. Andererseits wird den Schülern die Chance geboten, am lebenden Tier Beobachtungen zu machen. Ein Höhepunkt sind dabei etwa die beiden Kornnattern. Diese können die Jugendlichen sie die Schlangen im Unterricht durchnehmen. Auch hofft Löffel, dass er mit den Grillen oder Schrecken gewissen Schülerinnen und Schülern vielleicht den Ekel vor solchen Tieren nehmen kann.

Löwenzahn für Buntbarsche

In der Gestaltung seiner Arbeit ist der Tierpfleger völlig frei. Ausser wenn er mit Tieren in den Unterricht geht oder sie auf einen bestimmten Zeitpunkt zur Präsentation vorbereiten muss, kann er sich die Zeit einteilen, wie er möchte. Derzeit ist Löffel häufig draussen unterwegs. Für die Gestaltung der Aquarien und Gehege verwendet er am liebsten Dinge aus der Natur. «Ich möchte, dass meine Tiere in einem Umfeld leben, das so natürlich wie möglich ist.» So finden sich hinter den Gläsern denn auch viele Himbeer- oder Brombeerstauden, Haselsträucher oder Löwenzahn. Sogar im Aquarium bei den Buntbarschen aus dem afrikanischen Malawisee liegt ein Sträusschen Löwenzahn. «Ich habe herausgefunden, dass sie den sehr mögen», sagt Löffel. Auch Grillen oder geraffelte Gurken seien beliebt. Es mache ihm richtig Spass, immer wieder Neues über die Tiere herauszufinden.

   
     

Arbeitsort Mittelschule

Die Serie «Arbeitsort Mittelschule» stellt Menschen ins Zentrum, von denen im Schulblatt sonst eher selten die Rede ist – Menschen, die für das Funktionieren einer Kantonsschule unverzichtbar sind, die aber meistens im Hintergrund wirken. Wir wollen ihre Arbeit und ihren Alltag beleuchten, aber auch ihren Wünschen und Sorgen Platz einräumen.

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