Stafette: Hausaufgaben inklusive

25.08.2017 - Mitteilung

Zurück zu Schulblatt

Das im letzten Schulblatt vorgestellte Schulhaus Eichi in Niederglatt gibt den Stab weiter an die Schule Schmittenwis in Niederweningen und deren Konzept «Sek 2015».

Text: Reto Heinzel    Fotos/Collage: Marion Nitsch 

Steckbrief: Rund 200 Schülerinnen und Schüler besuchen die Sek Schmittenwis. Die Anlage besteht aus fünf Gebäudetrakten und befindet sich am Dorfeingang der Gemeinde Niederweningen, einem ländlichen Idyll im westlichsten Teil des Wehntals. Viel Grün – Wiesen und Äcker – und Wald. Einfamilienhäuser prägen das Ortsbild. Am nördlichen Abhang der Lägern gelegen, der Kanton Aargau nur einen Steinwurf entfernt. Seitdem die vier Wehntaler Schulen Anfang 2010 zur Schulgemeinde Wehntal fusionierten, besuchen auch Schülerinnen und Schüler aus Schleinikon, Schöfflisdorf und Oberweningen das Schmittenwis. Viele stammen aus bildungsnahen Familien, der Anteil an Ausländerinnen und Ausländern ist klein. Schulentwicklung: Besonderen Wert legt man im Schmittenwis auf die Weiterentwicklung der Schule. «Wir verstehen uns als Trainingscamp. Den Fokus richten wir stets auf die Anschlussfähigkeit der Schülerinnen und Schüler», sagt Schulleiter Hanspeter Ogi. Als ehemalige Pilotschule des Projekts Neugestaltung 3. Sek habe man rasch gemerkt, wie wichtig es sei, die unteren Sekundarklassen bei der Weiterentwicklung nicht auszuklammern. «Sek 2015»: Vor fünf Jahren als strukturelles Weiterentwicklungsprojekt gestartet, ist die «Sek 2015» seit diesem Schuljahr fest etabliert. Ein Kernelement sind die niveaudurchmischten Stammklassen, bestehend aus Sek-A- und Sek-B-Schülerinnen und -Schülern. Der Anteil an Sek-A-Schülern ist weitgehend konstant und liegt bei rund zwei Dritteln. Die B-Schülerinnen und -Schüler sollen von den leistungsstärkeren in der Klasse profitieren, ohne dass deren Leistungen beeinträchtigt werden. In den Fächern Mathematik, Englisch und Französisch wird weiterhin auf drei Leistungsniveaus unterrichtet. Individuelle Lernstunden: Täglich findet das sogenannte Individuelle Lernen (IL) statt, für das pro Woche insgesamt 10 Lektionen reserviert sind – inklusive 4 Hausaufgabenlektionen. Während dieser Zeit arbeiten die Schülerinnen und Schüler entweder einzeln an ihrem persönlichen, büroähnlichen IL-Arbeitsplatz oder in kleineren Gruppen. Sie lösen Aufgaben, die sie von der Klassenlehrperson erhalten haben, oder vertiefen den Unterrichtsstoff. Jeder und jede führt ein eigenes Semesterbuch, in dem Aufträge und Ziele festgehalten, aber auch die eigenen Fortschritte reflektiert werden. Während der IL-Lektionen werden auch die sogenannten «Lernaufträge» erledigt. Die Hausaufgaben sind in diese Aufträge integriert, sodass nach Schulschluss in der Regel keine weiteren Schularbeiten anfallen. Während allen individuellen Lernstunden herrscht Flüsterkultur. Lerncoaching: Während des IL finden zudem regelmässig persönliche Coachinggespräche zwischen Schüler und Klassenlehrperson statt. Dabei können zum Beispiel Lern- und Arbeitserfolge zur Sprache kommen, Wochenziele definiert, das persönliche Befinden erkundet oder Abmachungen getroffen werden. Hohe Akzeptanz: Die «Sek 2015» wird nicht nur von den Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen, sondern auch von den Eltern geschätzt. «Nahezu 100 Prozent der Eltern stehen hinter der ‹Sek 2015›», stellt Ogi fest. Vor diesem Hintergrund denkt die Schulleitung bereits weiter: In den nächsten Jahren soll das Konzept unter dem Stichwort «Sek 2020» pädagogisch im Sinne des Lehrplans 21 weiterentwickelt werden. Auch will die Schule in Zukunft vermehrt auf das iPad als Unterrichts- und Organisationsinstrument setzen. Eine Pilotklasse startet diesen Sommer, 2018 sollen dann alle Klassen mit dem Gerät ausgerüstet werden.

   
    

Hanspeter Ogi, 61, Schulleiter

«Die ‹Sek 2015› ist ein Gewinn für die ganze Schule. Die Kombination von IL und Coaching ist eine hervorragende Sache, die auch von den Schülerinnen und Schülern sehr geschätzt wird. Seit wir die niveaudurchmischten Stammklassen eingeführt haben, ist die Stimmung auf dem Pausenplatz merklich entspannter. Es gibt auch keine stigmatisierten Klassen mehr. Ob ein Schüler in der Abteilung A oder B eingeteilt ist, ist unwichtig geworden. Die Coachinggespräche eröffnen den Lehrpersonen die Möglichkeit, Verbindlichkeit herzustellen. Niemand kann sich drücken, die Schülerinnen und Schüler müssen einen Lernbeweis erbringen. Die Stärkung der persönlichen Beziehung und die Individualisierung des Lernens haben sich bewährt. Die Anschlussfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist deutlich höher, die Grundzufriedenheit auch. Dass sie mit einem viel besseren Selbstwertgefühl aus der Schule kommen, ist in dieser ungewissen Zeit etwas vom Wertvollsten.»

Lavinia, 15, Schülerin

«Mir gefällt das System hier sehr gut. Bis zur 6. Klasse mussten wir die Hausaufgaben immer zu Hause machen, heute nicht mehr. Diese Umstellung bereitete mir überhaupt keine Mühe, im Gegenteil. Ich finde es super, dass ich heute alles in der Schule erledigen kann. Wenn ich dann nach Hause komme, kann ich wirklich abschalten und kann mich um meine persönlichen Dinge kümmern. Mir liegt auch das selbstständige und konzentrierte Arbeiten und die Flüsteratmosphäre während des IL. Ich habe auch das Gefühl, dass mir das privat weiterhilft und ich zu Hause mehr Verantwortung übernehme als früher. Und da ich später gerne einmal Tiermedizinische Praxisassistentin lernen oder mit Kindern arbeiten möchte, bin ich sicher, dass diese Selbstständigkeit mir dabei helfen wird. In unserer Klasse sind wir 23. Davon sind drei in der Sek B. Doch das spielt überhaupt keine Rolle. Wir haben einen guten Klassengeist und unterstützen uns gegenseitig.»

Peter Derks, 32, Klassenlehrperson

«Ich unterrichte seit 2010 im Schmittenwis und gehörte zu den Ersten, die das neue Konzept ausprobiert haben. Ein wichtiger Grundgedanke damals war, mehr Zeit in individuelle Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern zu investieren. Ich führte am Anfang jede Woche Einzelgespräche. Das war nicht sinnvoll. Heute findet in der Regel alle zwei bis drei Wochen eines statt, je nach Bedürfnis. Ich schätze diese ‹Quality Time› mit den Jugendlichen, in der übrigens nicht nur schulische und organisatorische, sondern erstaunlich oft auch private Dinge, Motivationsschwierigkeiten oder Konflikte etwa, zur Sprache kommen. Dadurch gelingt es, die persönliche Beziehung zu stärken und die nötige individuelle Unterstützung zu bieten. Für mich ist klar: Die ‹Sek 2015› birgt riesiges Potenzial. Ich möchte gar nicht mehr anders Schule geben.»

Zurück zu Schulblatt