Der Spielberg der Sek Fischenthal

10.03.2017 - Mitteilung

Zurück zu Schulblatt

Sekundarlehrer Markus Beerli ist leidenschaftlicher Amateurfilmer und räumt an internationalen Meisterschaften regelmässig Preise ab.

Text: Joel Bedetti Foto: Stephan Rappo

Markus Beerli steigt die zwei Stockwerke seines Einfamilienhauses in Jona hoch ins Dachgeschoss, wo er sein Filmstudio einquartiert hat. «Ich mach das ja nicht professionell, es ist nur ein Hobby», erklärt er und hält inne. «Aber wenn ich an die Zeit denke, die ich dafür aufwende, ist es vielleicht doch mehr als ein Hobby. Es ist schon Leidenschaft.» In seinem Filmstudio unter der Dachschräge steht ein Apple- Bildschirm, ein gemäldegrosser Monitor für den Filmschnitt, ein Hochleistungsrechner für ultramoderne 4K-Auflösung und ein Stapel mit ausgedienten Abspielgeräten aus den 90ern und Nullerjahren.

Viel von den Profis abgeschaut

Seit 20 Jahren ist der 61-jährige Sekundarlehrer leidenschaftlicher Filmer. Angefangen hat es, als die Schwiegereltern ihm und seiner Frau ihre Ferienvideos zeigten. «Das könnte man spannender machen», dachte sich Markus Beerli und lieh sich die Kamera des Schwiegervaters aus. Den ersten Film drehte er auf dem Familienurlaub in Florida. «Ich schaute fast die ganze Zeit auf das Kameradisplay, das schwarzweiss war», erzählt er. «Erst zu Hause am Computer merkte ich, was für eindrückliche Farben ich gefilmt habe.»

Der Film sei grauenhaft gewesen. Doch sein Ehrgeiz war geweckt. «Emotionen zwicken», das fasziniere ihn am Filmen, erklärt er. Er trat dem Filmclub Wald bei, wo Amateurfilmer ihre Werke einer kritischen Jury vorlegten. Seine erste Eigenproduktion, die er zeigte, war die Besteigung des ecuadorianischen Vulkans Cotopaxi – seine zweite Leidenschaft sind die Berge. «Der fieseste Kommentar war: Was hätte man aus diesem Material nur machen können!», erinnert er sich. Doch er gab nicht auf: Er schaute von den Profi- Filmen im Fernsehen ab und lernte, erst einen genauen Plan zu schmieden und dann zu drehen. Den «Durchbruch» schaffte er mit einem Film über die Berggorillas in Ruanda, für den er 2008 mit seiner Frau Karin nach Afrika reiste. Im folgenden Jahr gewann er mit diesem Film an den Schweizer- und an den Europameisterschaften für Amateur-Filmer Gold. Seither räumt Markus Beerli an Meisterschaften für Amateurfilmer regelmässig ab.

Lehrerkollege als Schauspieler

Inzwischen erhält er auch Angebote für bezahlte Hochzeits- oder Firmenfilme. Er lehnt jedoch stets ab. Das Filmen soll sein Hobby bleiben. Seinen Beruf, betont er, habe er nicht verfehlt. «Ich bin Lehrer mit Leib und Seele.» Nach dem Sekundarlehrerstudium an der Uni Zürich trat er 1979 seine Stelle in Fischenthal an – und ist bis heute dort geblieben. Im Unterricht macht er gerne von seinen Filmen Gebrauch, besonders in den Fächern Geografie und Geschichte. «Digits Erben», den Film über die ruandischen Berggorillas, der auch den Völkermord von 1995 thematisiert, zeigt er regelmässig, auch Naturfilme über die Antarktis oder über einen alten Inka-Weg in Peru bieten sich an. Besonders gern mögen seine Schüler sein jüngstes Werk «Hautnah», für den ihr Lehrer eine Woche lang einen Bärenforscher in Alaska begleitet und Nahaufnahmen der Tiere gedreht hat. «Teenager geben sich ja oft cool», sagt Markus Beerli, «aber wenn sie die Bären sehen, finden sie sie dann doch süss.»

Manchmal involviert der Amateurfilmer auch anderes Schulpersonal in seine Filme. In seinem bisher aufwendigsten Projekt namens «Der Held vom Paternkofel» übernahm ein Lehrerkollege die Rolle eines österreichischen Soldaten in historischer Uniform. Der Film, der 2014 Gold bei den Schweizermeisterschaften gewann und bei den Europameisterschaften auf dem zweiten Platz landete, handelt von einem Himmelfahrtskommando im Ersten Weltkrieg, mit dem die Österreicher einen Dolomitengipfel einnehmen wollten. Markus Beerli, der keine Mühe scheut, drehte vor Ort mit Schaustellern und besorgte in einem Museum zeitgemässes Equipment. Die Leidenschaft ihres Lehrers erwähnten die Schüler oft in den Abschlussbüchern am Ende der neunten Klasse, erzählt er. «Das ist etwas, woran sie sich auch nach der Schule noch erinnern.»

Hunderte von Stunden

Mit den Smartphones ist Filmen einfach geworden, deshalb produzieren seine Schüler manchmal auch eigene Filme über ihre Schulprojekte. Im Freifach Videokurs drehten die Fischenthaler Sekundarschüler gar kurze Spielfilme. «Aber dazu braucht es viel Material und Personal, jemand muss den Ton machen, jemand das Bild.» Das Freifach wurde inzwischen eingespart. Markus Beerli sah bei den Schülerfilmen auch die Grenzen einer solchen Produktion. Den grössten Teil der Arbeit, den Schnitt, konnten seine Schützlinge nicht im Team erledigen. «Wir haben in der Schule nur einen Schnittplatz.» Die Arbeit blieb an ihm hängen. Dabei verbringt er schon einen grossen Teil seiner Freizeit am Schnittplatz in seinem Dachstock. Denn nach dem Dreh ist der Film noch längst nicht abgeschlossen. Zu Hause schneidet er das stundenlange Material, schreibt die Kommentare und spielt Musik darüber. Für die neuesten Filme heuerte er gar einen professionellen Sprecher an. Hunderte von Stunden investiere er pro Film. «Aber als Lehrer habe ich zum Glück viel Ferien.»

Den Unterricht, sagt Markus Beerli, habe sein Hobby übrigens erst einmal beeinträchtigt. Im Auftrag der Gemeinde Wald filmte er vor ein paar Monaten mit einer Drohne den Aufstieg eines Heissluftballons, der auf sieben Uhr angesetzt war. Weil der Wind zu stark war, verzögerte sich der Start. «Da mussten die Schüler halt ohne mich anfangen und Selbststudium betreiben.»

Vorbild Jean-Jacques Annaud

Die Premieren seiner Filme organisiert er gern in seinem Garten mit Beamer und Grill. In der Nachbarschaft und im Freundeskreis habe er einige Fans. Auch an Lehrerzusammenkünften hat er seine Filme schon gezeigt. Seine härtesten Kritiker sind die, die ihm am nächsten stehen: seine inzwischen ausgeflogenen Kinder. Markus Beerli lacht. «Die sind noch strenger als die Juroren an den Filmfestivals.»

Auch seine Schüler sind keine bedingungslosen Beerli-Filmfans. Wenn sie vor Weihnachten oder den Ferien einen Film schauen dürfen, wünschen sie sich Action- Blockbuster. «Das gibt es bei mir aber nicht.» Er zeigt ihnen dann zum Beispiel den naturnahen Spielfilm «Der letzte Wolf» des französischen Regisseurs Jean- Jacques Annaud, der für ihn ein Vorbild ist. Für den Sommer plant er übrigens bereits die Fortsetzung des Bärenfilms «Hautnah». Diesmal wird er den Bärenforscher zusammen mit seiner Frau in Russland begleiten.

Zurück zu Schulblatt